Prof. Dr. Jochen Hörisch

Mit seinem Vortrag „Netzvisionen: allmächtig und allgegenwärtig“ kommentiert der Medienanalytiker Prof. Dr. Jochen Hörisch auf dem Medienkonzil den Einfluss der digitalen Medienwelt auf die heutige Gesellschaft. Hörischs Bezug zur christlichen Religion besteht aus seiner medienkritischen Analyse der Theologie, welche „in dem Maße medienkritisch [sei], in dem [die Theologie] die Einsicht verdrängt, daß sie Medientheorie ist“ (Hörisch 2001:314). Damit macht der, seit 1988 in Mannheim Neuere Germanistik und Medienanalyse unterrichtende, Professor klar, wie trocken er die Religion definiert: als kollektive Erweiterung der Sinne, mit dem Ziel der Mitteilung eines transzendenten Gottes. Religiöse Medien wie die Heilige Schrift und mediale Ereignisse wie die Übergabe der zehn Gebote, hätten, zusammen mit den Einflüssen aus Krieg und Wirtschaft, die Medien in ihre heutige Form gebracht.

Der studierte Germanist und Historiker hat seine Auffassungen über diese Medien und die menschlichen Methoden sie zu interpretieren, bereits in zahlreichen Ländern präsentiert, so etwa während seiner Gastprofessuren in Frankreich, den USA und Österreich. Für Hörisch ist das Medium ein Interaktionskoordinator, der eine Botschaft weitergibt und diese gleichzeitig beeinflusst – „the medium ist the message“ nach Marshall McLuhan. In Bezug auf die digitale Medienwelt, sieht Hörisch die Notwendigkeit, sich - medienübergreifend - um den Erhalt des Qualitätsjournalismus zu bemühen. Seine zahlreichen Auftritte in Radio, Fernsehen und Internet handeln unter anderem von den Problemen dieses digitalen Wandels, sowie der Beziehung zwischen Geld, Religion und Medien.

 

Andrea Beck