"Reformation als Medienereignis" - Prof. Johanna Haberer

Das Christentum ist eine Medienreligion. Christen haben immer schon darüber nachgedacht, wie Menschen miteinander kommunizieren, wie man sie überzeugen kann und wie verführbar oder manipulierbar  sie sind.

Mit der Reformation vor 500 Jahren hat Martin Luther gemeinsam mit den anderen Reformatoren die Kommunikation mit Gott und unter den Christen auf eine völlig neue Basis gestellt: Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung, Bildung und Information des Einzelnen, statt institutionelle Meinungsdominanz der Kirche, die Gewissenschärfung des Einzelnen und seine Verantwortung für die ganze Gemeinschaft.

Dieses Erbe verpflichtet Christen, den Wandel der zwischenmenschlichen Kommunikation durch die Entwicklung der digitalen Technologien zu begleiten und aus christlicher bez. reformatorischer Perspektive zu kommentieren.

Die Kriterien sind aus christlicher Sicht hier vorprogrammiert:

  • Wir treten ein für Kontrolle und die Transparenz der Netzunternehmen, die marktbeherrschend unsere Daten kontrollieren und für die informationelle Selbstbestimmung
  • Wir treten ein, für das Menschenrecht auf ein Geheimnis und unser unverbrüchliches Recht zu wissen, was andere über uns wissen.
  • Wir treten ein für ein humanes Vergessen, das es Menschen ermöglicht sich zu wandeln und neu anzufangen. Es widerspricht dem Evangelium zutiefst, Menschen auf ihre Jugendsünden, auf etwaigem Fehlverhalten oder ihren Meinungsänderungen festzulegen.